Bei der Besteuerung von Online-Glücksspiel in Deutschland werden zwei Dinge gern verwechselt: die Steuer, die der Anbieter abführt, und die Frage, ob Sie als Spielerin oder Spieler Ihre Gewinne versteuern müssen. Beides ist streng zu trennen. Dieser Ratgeber erklärt beide Seiten – und bleibt bei den Grundlagen, weil Steuerrecht Einzelfallrecht ist.
Kein Rechtsrat
Dieser Ratgeber ist eine allgemein verständliche Einordnung der Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung. Das Glücksspielrecht ist komplex, hängt vom Einzelfall ab und entwickelt sich durch neue Gerichtsentscheidungen laufend weiter. Für eine verbindliche Auskunft zu Ihrer persönlichen Situation wenden Sie sich bitte an eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt für Glücksspiel- oder Verwaltungsrecht.
Die 5,3-%-Einsatzsteuer
Für virtuelle Automatenspiele und für Online-Poker erheben die deutschen Rennwett- und Lotteriegesetze eine Steuer von 5,3 % auf den Spieleinsatz – nicht auf den Gewinn. Für Sportwetten gilt ebenfalls eine Steuer von 5,3 % auf den Wetteinsatz.
Wichtig zu verstehen
Diese Steuer schuldet der Anbieter, nicht Sie direkt. In der Praxis reichen viele lizenzierte Anbieter die 5,3 % aber ganz oder teilweise an die Kundschaft weiter – etwa indem sie sie vom Einsatz oder vom Gewinn abziehen. Spürbar wird die Steuer also trotzdem.
Sind Gewinne für Privatspieler steuerfrei?
Für reine Privatspielerinnen und Privatspieler gilt in Deutschland als Grundsatz: Gewinne aus Glücksspiel sind in der Regel keine steuerpflichtige Einkunftsart. Glück gilt steuerlich nicht als Einkommen aus einer Tätigkeit. Wer gelegentlich bei einem lizenzierten Anbieter gewinnt, muss diesen Gewinn daher in aller Regel nicht in der Einkommensteuererklärung angeben.
Anders kann es aussehen, wenn das Spielen die Züge einer beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit annimmt – etwa bei professionellem Pokerspiel mit planmäßigem, nachhaltigem Vorgehen. Hier ist die Grenze fließend und einzelfallabhängig; in solchen Fällen kann eine Steuerpflicht entstehen.
| Situation | Einordnung (allgemein) |
|---|---|
| Gelegentliches Spiel, lizenzierter Anbieter | Gewinn für Privatpersonen i. d. R. steuerfrei |
| 5,3-%-Einsatzsteuer | vom Anbieter geschuldet, oft weitergereicht |
| Professionelles / gewerbliches Spielen | kann steuerpflichtig werden – Einzelfall |
| Offshore-Anbieter | steuerliche Grauzone, siehe unten |
Offshore-Anbieter: die steuerliche Grauzone
Bei Offshore-Anbietern ohne deutsche Erlaubnis wird es unklarer. Die 5,3-%- Einsatzsteuer wird dort nicht wie bei lizenzierten deutschen Anbietern abgeführt, und die steuerliche Behandlung solcher Konstellationen ist weder einheitlich geklärt noch für den Einzelfall pauschal zu beantworten.
Ehrlich eingeordnet
Die Aussage „Gewinne sind immer steuerfrei“ greift bei Offshore-Angeboten zu kurz. Ob und wie etwas steuerlich zu behandeln ist, hängt vom konkreten Sachverhalt ab und befindet sich in einer Grauzone. Verlassen Sie sich nicht auf pauschale Aussagen aus Foren oder Werbetexten.
Im Zweifel: fragen Sie eine Fachperson
Steuerrecht ist Einzelfallrecht. Wenn Sie regelmäßig oder in größerem Umfang spielen, professionell spielen oder bei einem Offshore-Anbieter gewinnen, lassen Sie Ihre persönliche Situation von einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater beziehungsweise einer auf Glücksspielrecht spezialisierten Kanzlei prüfen. Dieser Ratgeber kann eine solche Beratung nicht ersetzen.
Hilfe bei problematischem Spielverhalten
Glücksspiel kann süchtig machen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Kontrolle über Ihr Spielverhalten zu verlieren, holen Sie sich Unterstützung. Die kostenfreie und anonyme Beratungshotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erreichen Sie unter 0800 - 137 27 00. Weitere Angebote und einen Selbsttest finden Sie auf check-dein-spiel.de. Eine anbieterübergreifende Selbstsperre richten Sie über OASIS ein.
