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Glücksspielstaatsvertrag 2021: das deutsche Regelwerk erklärt

Seit dem 1. Juli 2021 regelt der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) das Online-Glücksspiel in ganz Deutschland. Dieser Ratgeber erklärt sachlich, was erlaubt ist, was verboten bleibt und warum sich lizenzierte, offshore und Schleswig-Holstein-Angebote so stark unterscheiden.

GlüStV 2021GGL§ 6c GlüStV
Von Lena BrandtAktualisiert am
Geschrieben von · Faktencheck durch die Redaktion · Zuletzt aktualisiert am 05.11.2026
Lena Brandt — Redakteurin für Regulierung & Spielerschutz

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (kurz GlüStV 2021) ist der Staatsvertrag aller 16 Bundesländer, der seit dem 1. Juli 2021 ein bundesweit einheitliches Online-Glücksspielrecht geschaffen hat. Davor war virtuelles Automatenspiel im gesamten Bundesgebiet praktisch unreguliert verboten; seitdem ist es unter engen Auflagen erstmals erlaubt und lizenzierbar. Zuständig für die Erlaubnisse und die Aufsicht ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle (Saale), die ihre volle Aufsichtstätigkeit 2023 aufgenommen hat.

Für Spielerinnen und Spieler ist vor allem eine Unterscheidung entscheidend: Es gibt in Deutschland nicht „das legale Online-Casino“, sondern mehrere sehr unterschiedliche Kategorien von Angeboten. Wer sie kennt, versteht auch, warum ein deutsch lizenziertes Casino nur virtuelle Slots mit 1-Euro-Einsatz anbietet, während internationale Anbieter Live-Roulette ohne Limit zeigen.

Was ist der GlüStV 2021 – und was ist die GGL?

Der GlüStV 2021 ist ein Vertrag zwischen den Bundesländern, weil Glücksspielrecht in Deutschland Ländersache ist. Er legt fest, welche Online-Glücksspielarten überhaupt erlaubt werden können, unter welchen Bedingungen und mit welchen Schutzmechanismen. Die GGL setzt diese Regeln um: Sie erteilt Erlaubnisse, führt das Whitelist-Register der erlaubten Anbieter, betreibt die zentralen Schutzsysteme und geht gegen unerlaubtes Glücksspiel vor.

Kernpunkt

Nur Anbieter mit einer deutschen GGL-Erlaubnis dürfen sich an Spielende in Deutschland richten. Welche Anbieter das sind, lässt sich im offiziellen Whitelist-Register der GGL nachsehen. Alles, was nicht dort steht, ist aus deutscher Sicht nicht erlaubt.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

Der GlüStV 2021 unterscheidet streng nach Glücksspielart. Entscheidend ist der Unterschied zwischen virtuellen Automatenspielen (Online-Slots) auf der einen und Live-Spielen sowie Tischspielen (Roulette, Blackjack, Baccarat, Live-Dealer) auf der anderen Seite.

Virtuelle Automatenspiele (§ 22a ff. GlüStV)

Online-Slots sind unter Auflagen bundesweit erlaubt und lizenzierbar. Sie sind die einzige „Casino“-Spielart, für die es eine bundesweite GGL-Erlaubnis gibt.

Online-Poker (§ 22b GlüStV)

Virtuelles Poker ist ebenfalls erlaubnisfähig und wird gesondert lizenziert.

Sportwetten (§ 21 GlüStV)

Online-Sportwetten sind ein eigener, aktiver lizenzierter Markt. Dazu unten mehr.

Online-Casinospiele: Live und Tisch (§ 22c GlüStV)

Live-Casino, Online-Roulette, Blackjack und andere Tischspiele sind bundesweit nicht über eine GGL-Erlaubnis zugelassen. Der Staatsvertrag erlaubt den Ländern lediglich, diese Spiele einzeln und als Staatsmonopol oder in streng begrenzter Konzessionszahl zu regeln – ein bundesweites, privat lizenziertes Online-Tischspiel-Angebot gibt es nicht. Deshalb finden Sie bei deutsch lizenzierten Anbietern kein Live-Casino.

§ 6c und die Regeln für virtuelle Slots

Für erlaubte Online-Slots gelten besonders strenge Spielerschutzvorgaben. Die wichtigsten im Überblick:

RegelVorgabeZweck
Einsatzgrenzemaximal 1 € pro Spielrundebegrenzt den Verlust pro Dreh
Spielgeschwindigkeitmindestens 5 Sekunden pro Rundebremst das Spieltempo (5-Sekunden-Regel)
Autoplayverbotenverhindert unbeaufsichtigtes Dauerspiel
Jackpotsnicht zulässignimmt den „großen Gewinn“-Reiz
Einzahlungslimit1.000 € pro Monat (anbieterübergreifend über LUGAS)begrenzt den Gesamteinsatz
Panikknopf24-Stunden-Sperre per Klicksofortige Spielpause

Diese Vorgaben werden technisch über zwei zentrale Systeme durchgesetzt: LUGAS überwacht das anbieterübergreifende Einzahlungslimit und das parallele Spiel, OASIS ist die anbieterübergreifende Sperrdatei. Beide erklären wir in eigenen Ratgebern im Detail.

Die vier Kategorien von Angeboten – im Überblick

Für Spielende ist das die wichtigste Tabelle überhaupt. Sie zeigt, warum sich Angebote so stark unterscheiden.

KategorieStatusSpielangebotLUGAS / OASIS
GGL-lizenziertes Casinoerlaubtnur virtuelle Slots & Poker, 1-€-Einsatz, 5-Sek-Regelja, 1.000-€-Limit & OASIS verpflichtend
GGL-lizenzierte Sportwettenerlaubt, aktiver MarktSportwetten (Pre-Match & Live)LUGAS-Limit & OASIS verpflichtend
Schleswig-Holstein-Altlizenzenhistorische Sonderrollevor 2021 erteilte Landeslizenzen; seither in die Bundesregelung überführtheute den GGL-Regeln angeglichen
Offshore-Anbieterin Deutschland nicht erlaubt (Grauzone, wird geblockt)Live-Casino, Tische, Slots ohne Limitnicht Teil von LUGAS oder OASIS

GGL-lizenziertes Casino

Bietet ausschließlich virtuelle Slots (und ggf. Poker) an, mit 1-€-Einsatzgrenze, 5-Sekunden-Regel, ohne Autoplay und ohne Jackpots. Einzahlungen sind über LUGAS auf 1.000 € pro Monat anbieterübergreifend begrenzt, OASIS ist verpflichtend angebunden.

GGL-lizenzierte Sportwetten

Hier gibt es einen echten, aktiven lizenzierten Markt. Zahlreiche bekannte Buchmacher besitzen eine deutsche Erlaubnis und bieten Pre-Match- und Live-Wetten an – gebunden an das LUGAS-Limit, OASIS und die 5,3-%-Steuer auf den Wetteinsatz.

Schleswig-Holstein-Altlizenzen

Schleswig-Holstein hatte bereits vor 2021 einen eigenen, liberaleren Weg eingeschlagen und Landeslizenzen für Online-Casinos vergeben. Mit dem GlüStV 2021 wurde dieser Sonderweg bundesweit vereinheitlicht; die historischen Lizenzen wurden in das neue System überführt und den bundesweiten Regeln angeglichen.

Offshore-Anbieter

Internationale Anbieter mit Lizenzen aus Malta, Curaçao, Anjouan oder anderen Gerichtsbarkeiten besitzen keine GGL-Erlaubnis. Für den Anbieter ist das Angebot an deutsche Kundschaft aus deutscher Sicht nicht erlaubt; die GGL geht mit Netzsperren und Zahlungsblockaden dagegen vor. Diese Anbieter sind nicht an LUGAS oder OASIS angeschlossen – die zentralen Schutzsysteme greifen dort also nicht.

Ehrlich eingeordnet

Offshore-Angebote stehen rechtlich in einer Grauzone und werden in Deutschland aktiv behindert. Vor allem aber fehlen dort die gesetzlichen Schutzmechanismen: kein anbieterübergreifendes Limit, keine OASIS-Sperre, kein verpflichtender Panikknopf. Wer dort spielt, trägt mehr Verantwortung selbst.

Hilfe bei problematischem Spielverhalten

Glücksspiel kann süchtig machen. Wenn Sie das Gefühl haben, die Kontrolle über Ihr Spielverhalten zu verlieren, holen Sie sich Unterstützung. Die kostenfreie und anonyme Beratungshotline der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erreichen Sie unter 0800 - 137 27 00. Weitere Angebote und einen Selbsttest finden Sie auf check-dein-spiel.de. Eine anbieterübergreifende Selbstsperre richten Sie über OASIS ein.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021?
Der GlüStV 2021 ist ein Vertrag aller 16 Bundesländer, der seit dem 1. Juli 2021 ein bundesweit einheitliches Recht für Online-Glücksspiel schafft. Er erlaubt erstmals virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Sportwetten unter strengen Auflagen und wird von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) umgesetzt.
Was ist die GGL?
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle (Saale) ist die zentrale Aufsichtsbehörde. Sie erteilt Erlaubnisse, führt das Whitelist-Register der erlaubten Anbieter, betreibt die Schutzsysteme und geht gegen unerlaubtes Glücksspiel vor.
Sind Live-Casino und Tischspiele in Deutschland erlaubt?
Über eine bundesweite GGL-Erlaubnis nicht. Der GlüStV 2021 lässt Live-Casino, Online-Roulette und Tischspiele nur als eng begrenzte Landesregelung oder Monopol zu, nicht als privat lizenziertes bundesweites Angebot. Deshalb bieten deutsch lizenzierte Anbieter kein Live-Casino an.
Was regelt § 6c des Glücksspielstaatsvertrags?
Die Vorschriften rund um virtuelle Automatenspiele setzen die zentralen Slot-Regeln fest: maximal 1 Euro Einsatz pro Runde, mindestens 5 Sekunden Spieldauer, kein Autoplay, keine Jackpots sowie das über LUGAS kontrollierte Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat.
Worin unterscheiden sich GGL-lizenzierte und offshore Anbieter?
GGL-lizenzierte Anbieter dürfen sich an Spielende in Deutschland richten, bieten aber nur virtuelle Slots mit 1-Euro-Einsatz, 5-Sekunden-Regel, 1.000-Euro-Limit und OASIS. Offshore-Anbieter besitzen keine deutsche Erlaubnis, bieten Live-Casino und Tische ohne Limit, sind aber nicht an LUGAS oder OASIS angebunden und werden in Deutschland geblockt.
Was war die Schleswig-Holstein-Lizenz?
Schleswig-Holstein hatte vor 2021 als einziges Bundesland eigene, liberalere Landeslizenzen für Online-Casinos vergeben. Mit dem GlüStV 2021 wurde dieser Sonderweg in die bundesweite Regelung überführt und den einheitlichen Regeln angeglichen.
Wie finde ich heraus, ob ein Anbieter eine deutsche Erlaubnis hat?
Die GGL führt ein öffentliches Whitelist-Register aller in Deutschland erlaubten Anbieter. Steht ein Anbieter dort nicht, besitzt er keine deutsche Erlaubnis.